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Bauschäden sind vermeidbar!

(22.2.2001) Pfusch am Bau - so lautet lapidar der Kommentar der Bundesbaugesellschaft über die Putzbrocken, die von der Decke der TÜV-geprüften Bundestags-Kindertagesstätte purzeln. Dabei hätten Bauschäden an der erst zwei Jahre alten und knapp zehn Millionen Mark teuren Kita des Wiener Architekten Gustav Peichl vermieden werden können. Als unmissverständliches Zeichen unzureichender, unabhängiger Überwachung wertet die Bayerische Ingenieurekammer-Bau die jetzt zu Tage getretenen eklatanten Schlampereien und Fertigungs-Fehler.

Auch die jüngste Genehmigungs- und Baupraxis, warnt die Bayerische Ingenieurekammer-Bau, bleibt die Antwort auf vermeidbare Risiken schuldig. Kostengünstigkeit und nicht verlässliche Wirtschaftlichkeit im gesetzlichen Rahmen ist vielfach alleiniges Kriterium für private und öffentliche Investoren. Vollends verloren gehen transparente Planungs-, Ausführungs- und Kontrollstrukturen bei der Beauftragung von Generalunternehmern.

Leidtragende sind immer Bauherren und Nutzer. Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau appelliert an die an der Verschlankung des Bauordnungsrechts Beteiligten: Bei der Handhabung des "Vereinfachten Genehmigungsverfahrens" muss die lebenswichtige Aufgabe der Baukontrolle in Zukunft sichergestellt werden. Deshalb fordert die Spitzenorganisationen von 5.000 Ingenieuren im Bauwesen den bayerischen Gesetzgeber auf, landesrechtliche Regelungen der Standsicherheit sowie des Brand-, Schall- und Wärmeschutzes bei der Neufassung der Landesbauordnung nicht auszuklammern. Bereits heute wird entgegen einschlägiger gesetzlicher Bestimmungen auf vielen Baustellen der Nachweis der Standsicherheit (Statik) und die Prüfung der statischen Unterlagen von den Bauherren nicht mehr in Auftrag gegeben. Baukontrollen unterbleiben. Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau ruft daher auf, diesem "verbraucherfeindlichen Treiben" ein Ende zu bereiten. Auch dürfen nach Überzeugung der Kammer die Bauaufsichtsbehörden nicht aus ihrer grundsätzlichen Kontrollfunktion entlassen werden.

Unabhängige und ganzheitliche Bauüberwachungsleistungen werden seit Jahrzehnten erfolgreich von Beratenden Ingenieuren und Prüfingenieuren erbracht. Die vom Baucontrolling bis zur Bausanierung in zahlreichen Aufgabenfeldern spezialisierten Beratenden Ingenieure sind die cleverere Alternative für diejenigen, die Individualität, nachgewiesene Kompetenz und Spezialistentum schätzen.

Vorsicht sollten Bauherren bei Bauüberwachungsangeboten des TÜV walten lassen. Wie der Bereich Recht und Versicherungen des TÜV Süddeutschland mit Schreiben vom 19.12.00 mitteilt, übernimmt die TÜV Bau und Betrieb GmbH - entgegen der Erwartung vieler Laien - "keine erfolgsbezogenen Verpflichtungen und keinerlei Leitungs- und Koordinierungsaufgaben". Da die TÜV-Leistungen zudem regelmäßig nur stichprobenweise erfolgen, übernimmt der TÜV "ausdrücklich auch keine Garantie für die Mängelfreiheit des begutachteten Bauobjekts".

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