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Standpunkte von Softtech-Geschäftsführer und -Inhaber Dieter J. Heimlich

(4.7.2015) Im historischen Ambiente der Neustadter Villa Böhm feierte die Softtech GmbH im Juni drei Tage lang mit Vorträgen, Workshops und Architekturführungen ihr 30-jähriges Jubiläum. 1985 gegründet, entwickelt das inhabergeführte Unternehmen mit rund 50 Mitarbeitern bauspezifische Softwarelösungen wie Spirit und Avanti. Im Rahmen der Veranstaltung nahm Softtech-Geschäftsführer Dieter Heimlich Stellung zu aktuellen Themen der Architeltur- und Bau-IT-Branche.


Dieter J. Heimlich
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Dieter J. Heimlich: Im Studium gab es noch Lochkarten und Rechenschieber, meine Jahre in Industrie und Unternehmens­beratung waren geprägt von der mittleren Datentechnik. In der Zeit waren IT und Software für mich allerdings nur ein Randgeschehen, faszinierten mich aber immer mehr. Als es Anfang 1981 die ersten PCs gab, bekam ich die Gelegenheit, grafische Betriebssysteme für ein Softwarehaus in der Bau­branche zu entwickeln. Das war extrem spannend, und ich konnte mich damit selbständig machen. Der Anwendungsbe­reich Bausoftware war also mehr ein Zufall. Ende 1985 grün­dete ich die Softtech in Neustadt, ging in die USA und ent­wickelte dort mit meinem System an einer CAD-Architektur­software. Bereits ein Jahr später konnten wir die Urversion unserer CAD-Software Spirit auf der ACS in Wiesbaden zeigen.

These 1: Auch in der Baubranche wird Software nun von fast jedem genutzt. Das ist eine Entwicklung, die vor vierzig Jahren ihren Anfang nahm und in den letzten zwanzig Jahren rasant Fahrt aufnahm. Das ist doch super, dass es immer nach oben weiter­geht!

Dieter J. Heimlich: Die Tücke steckt im Detail - auch hier. Nur mal eine Zahl: Ende der 80er Jahre gab es weit mehr als 50 CAD-Systeme, heute ist das nur noch eine einstellige Zahl. Die  Konzentration ist also enorm und wurde immer weiter vorange­trieben, wenn Meilensteine oder Sollbruchstellen wie die folgenden am Markt ent­standen.

Vielleicht vier Punkte: Hardware und Betriebssystem, Objektorientierung, Datenaus­tausch und der Neue Markt.

Moore’s Law (siehe Wikipedia) galt immer: Die kontinuierliche Hardware-Entwicklung zu nutzen, war ein Muss und nahm uns viel Arbeit ab; der Betriebssystemwechsel von DOS auf Windows war ein markanter Meilenstein. Mit dem ständigen Mehr an Arbeits­speicher und größeren Festplatten konnten wir immer mehr Daten verarbeiten und hal­ten, was bei den vielfältigen Ausprägungen im Bauwesen absolut notwendig für den Erfolg war.

Wir waren direkt dabei als Autodesk/SoftDesk 1997 mit der ARX-Programmierung be­gann und damit den richtungsweisenden Schritt von reiner Grafik zur Objektorientie­rung einleitete. Schon sehr früh suchte man nach Möglichkeiten, den Datenaustausch zu verbessern. Alles war proprietär, was in der Entwicklungsnatur der Programme lag, mit den Formaten STEP und später IFC entstanden nicht nur Formate, die über die Grafik hinausgingen, sondern die notwendigen Arbeitskreise und Standardisierungen gaben der Bausoftwarebranche deutlich Fundament.

Die Ereignisse am Neuen Markt 1998 bis 2002 beeinflussten uns alle und veränderten die Softwarelandschaft am Ende deutlich.

Unsere engen Kooperationen mit mehreren USA-Softwareunternehmen sind auch heu­te noch aktiv und helfen Softtech nicht nur in der Programmierung stets aktuell zu sein.

These 2: Was kann jetzt noch verbessert werden nach mehr als 30 Jahren Software im Bauwesen? Wir haben doch alles: schnelle Computer, Cloud, 5D und noch mehr Di­mensionen, riesige Baudatenbanken im Web etc. Außerdem wird zur Zeit viel gebaut, da wird der Bedarf an Software steigen und der Verkauf müsste einfach sein.

Dieter J. Heimlich: Gute Software verkauft sich immer, doch einfacher ist das Ver­kaufen nicht geworden. Die tradierten Märkte sind gesättigt, der Kundenanspruch wächst mit der Anwendungsbreite, die Forderungen des Marktes und die Globalisie­rung tun ihr Übriges. Vergessen wir nicht, dass der Gesetzgeber nun auch Zwänge aufbaut. Das könnte negative Folgen haben, denen sich gerade kleinere Softwareun­ternehmen ausgesetzt sehen. Zwar machen wir alle deutliche Anstrengungen, den Da­tenfluss mit möglichst wenig Informationsverlust zu garantieren, Stichwort IFC, doch wird das für das Bauwesen eine langfristige Herausforderung bleiben.

Technologisch sehe ich, dass wir an der Mensch-Maschine Kommunikation noch ex­trem viel Arbeit haben werden. Das ist für mich gerade im Bauwesen eine entschei­dende Herausforderung, denn hier haben wir es mit vielen, sehr unterschiedlich arbei­tenden Beteiligten zu tun. In diesem Arbeitsbereich machen wir gerade sehr positive Erfahrungen mit unserer Gerüstbau-Software scaffmax.

These 3: Wenn fast jeder in der Bausoftwarebranche seine Programme als BIM-Lö­sung anbietet, dann muss der Begriff wohl für eine neue Software-Lösung stehen. Be­deutet BIM Informationen modellieren oder auch Gebäude modellieren? Dann hat es wohl mit 3D-Modellen zu tun.

Dieter J. Heimlich: Also vorab: BIM ist eine Methode und keine Softwarelösung, auch kann man es nicht nur am kompletten 3D-Modell festmachen. Übrigens hat Soft­tech schon sehr früh den Begriff BIN „Building Information Network“ geprägt, was das Thema eigentlich besser beschreibt. Ein wesentlicher Punkt einer guten Zusammenar­beit, die zu verlässlichen Entscheidungen führt, ist ein transparenter, schneller und nachvollziehbarer Informationsfluss. Das gilt besonders für das Bauwesen, das sehr heterogen von Arbeitsteilung, Interpretation und Arbeiten an unterschiedlichen Orten geprägt ist. Hier kann Software sehr viel unterstützen, das fängt schon beim E-Mail-Verkehr an und geht weiter bei Planverwaltung und Jour Fixe. Wir hören oft, dass Pro­jektsteuerer schon mal 30% der Zeit für Recherche und „Verwaltung“ aufwenden. Also liegt es doch nahe, gerade hier einzugreifen.

Für uns ist BIM eine Methode, um Informationen schnell, transparent und verlustfrei im Bauprozess zu koordinieren. So ist auch unser Angebot: Mit den „Klassikern“ Spirit und Avanti sind unsere Produkte Einklinkungen in die Prozesskette, immer angepasst an die Bedürfnisse und Erfahrungen des Nutzers. Mit Newforma ProjectCenter, SmartUse und unserer BauteilEditor-Strategie bieten wir moderne Werkzeuge, die das garantieren.

Auch unser Firmenmotto „Design trifft Kalkulation“ drückt das aus. Hier sind wir stark, schon von Anfang an haben wir die Grafik mit Kosten verschränkt.

These 4: Heute können wir fast alles mit dem Computer erledigen, es gibt fast nichts mehr, was nicht „smart“ ist. Wenn alles so einfach ist, kann man doch auch einfach die komplexen Bauinformationen über Software an die Bauteile anhängen. Die Soft­ware macht das schon und mehr ist immer besser.

Dieter J. Heimlich: „So einfach wie möglich, aber nicht einfacher“ hat Einstein ge­sagt. Das passt für die Anwenderseite. Nun könnte man meinen, was „backstage“ passiert, ist egal, da kann es ruhig komplex zugehen. Dafür gibt es auch Beispiele. Ich sehe das nicht so, auch hier muss mit großer Sorgfalt vorgegangen werden, denn die Erstellung der Bauteile liegt doch nicht beim Softwarehaus, ich sehe das beim Herstel­ler. Produktbreiten und -tiefen sowie die Geschwindigkeit der Märkte erfordern ein­fachste, eindeutige Designmethoden solcher Bauteile.

Mit der heute bei der Softtech:30(Jahre)-Veranstaltung vorgestellten Entwicklung unseres BauteilEditor-Konzepts verfolgen wir diese Gedanken: Die Daten eines Bau­teils, wie beispielsweise ein Fenster oder eine Tür, können verlustfrei in verschiede­ne CAD-Programme transportiert werden. Ein Beispiel: Wir fangen in SketchUp an, schicken die Designstudie mit den Bauteilen an Spirit, von da zu Autodesk-Produk­ten und so weiter. Und das geht auch zurück. Auch universell einsetzbar ohne unse­re Plugin-Editoren, da IFC-konform. Die Datenbasis ist dabei möglichst einfach gehal­ten und kann direkt aus Katalog- oder Produktionsdaten abgeleitet werden. Damit wollen wir für Bauteile mit unterschiedlicher, lokaler Informationsanreicherung einen echten „workaround“ erreichen, also echtes BIM, „open“ ist das immer.

These 5: BIM und IFC ziehen endlich an einem Strang und einheitliche Formate und Datenaustausch funktionieren perfekt. Dann kommen doch auf den Anwender rosige Zeiten zu.

Dieter J. Heimlich: Mitnichten. Die derzeit Beteiligten, wie beispielsweise Baustoff­hersteller, Zwischenhandel und Softwarehersteller werden ihren Vorteil suchen und deshalb ihre Produkte jeweils mit Alleinstellungsmerkmalen versehen. Das führt un­weigerlich zu dem Ergebnis, dass bestimmte Funktionen - und das sind die jeweiligen USPs - nur mit bestimmten Objekten oder Systemen verarbeitet werden können. Das läuft dann unter dem „Deckmantel“ BIM und ist im Gesamtergebnis besser als heute, trifft aber nicht das allgemeine Verständnis und die Erwartungshaltung zu BIM.

siehe auch für zusätzliche Informationen: