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Bericht vom 10. BIM Anwendertag am 18.6.2013


  

(1.7.2013) Wie verändert BIM die klassischen Prozesse in der Bauindustrie? Können bisherige und modellorientierte Ansätze kombiniert werden? Über ihre ganz individuellen Erfahrungen mit BIM berichteten Vertreter von Bau- und Technologieunter­nehmen wie zum Beispiel Wolff&Müller, Hochtief ViCon, Max Bögl, Porr oder Hilti, Architekten und Ingenieure wie Wolfgang Ehlers von Ehlers Atelier oder Prof. Thomas Vietzke von Asso­ciate Zaha Hadid Architects, Detlev Gloeckler und Dr. Volker Krieger von Fact und Experten aus Softwarehäusern wie Gra­phisoft und DDS. Nicht zuletzt nutzten die knapp 150 Teilnehmer des 10. BIM Anwen­dertages von buildingSMART den ausgesprochen schönen architektonischen Rahmen des Hotel- und Kongress-Neubaus unmittelbar am Eingang zur iba und igs 2013 in Hamburg zum Austausch mit Branchenkollegen und zum Networking.

Viele Wege führen zu BIM

Vordenken statt hinterher zu hecheln. Darum geht es nicht nur Dr. Matthias Jacob, dem Technischen Geschäftsführer Bau bei Wolff&Müller in Stuttgart. Er betonte in Hamburg, dass BIM keine Software ist, sondern „eine integrale Planungsmethode, in die sich auch herkömmliche Ansätze einbinden lassen.“ Das Bauunternehmen mit eige­nem BIM-Team blickt inzwischen auf mehr als fünf Jahre Erfahrung zurück. Diese be­sagt unter anderem auch, dass die Bau- und Projektbeteiligten das Thema BIM und das Arbeiten mit klar strukturierten 3D-Datenmodellen zunächst einmal verstehen müssen. Und genau darauf basiert funktionierendes BIM. In Stuttgart ist man daher konsequent. Es gibt interne Schulungen und „Pflichtprojekte“ für die Mitarbeiter, um das Thema wirklich transparent zu machen. Was also anfangs länger dauert und ne­ben Geld und Zeit auch Nerven kosten kann, soll sich am Ende definitiv auszahlen. Spätestens, wenn alle Daten exakt und in einem Modell vorliegen. Jacobs Fazit: „Die Projekte sind griffiger, Variantenprüfungen gehen schnell und einfach, die Massener­mittlung braucht nur noch einmal durchgeführt werden.“

Dies bestätigten auch der Kufsteiner Anton Gasteiger von b.i.m.m. und Clemens Neu­bauer, der das BIM Management bei Porr Design & Engineering verantwortet. Ihre Er­fahrung: obwohl BIM nicht immer gleich BIM ist, steht im Vordergrund trotzdem immer der ganzheitliche integrale Planungs- und Ausführungsprozess. Und die ausnahmslose Bedingung dafür sind „strikt vordefinierte Strukturen“, die sowohl nationale als auch internationale Standards berücksichtigen.

Kai Brandt, Projektleiter von Hochtief ViCon, weiß, dass auf Baustellen möglichst ein­fache BIM-Werkzeuge benötigt werden. „Nur so kann die strukturierte Arbeitsweise von BIM ins Projektmanagement übertragen werden. Projekt- und Bauleiter haben we­der Zeit noch Interesse, CAD oder komplexe Software zu bedienen.“ Die Teilnehmer des 10. BIM Anwendertages sahen live, wie Daten vor Ort mobil erfasst und als voll­ständige Information mit 3D-Bezug und Fotos in ein Produktionssystem übertragen werden. Dort stehen sie online - mit Informationen aus der Planung - für eine struk­turierte Aufbereitung und Analyse zur Verfügung. Typische Anwendungsfälle sind z.B. Schachtabnahmen, Qualitätssicherung oder die Dokumentation von Baufortschritten.

Eine mögliche Lösung, nämlich die digitale und sehr präzise Alternative zum Schnur­gerüst, kommt von Hilti. Dr. Oliver Geibig und Markus Ziegler erläuterten das „BIM zu field“-Konzept des in Kaufering ansässigen Konzerns und zeigten auf, wie mit Hilfe op­tischer Meßtechnik (Robotik-Totalstation) Medienbrüche auf der Baustelle ganz prak­tisch und elegant umgangen werden können. Die Station funktioniert sogar im zeit- und kostensparenden 1-Mann Betrieb, die Prismenverfolgung ermöglicht bis zu 400 Ab­steckpunkte pro Tag. Und der Bauplan mit BIM Attributen ist auf Knopfdruck am Dis­play verfügbar.

BIM funktioniert aber auch im kleineren Maßstab: Wolfgang Ehlers vom gleichnamigen Architektur Atelier in Bremerhaven nutzt für die modellbasierte Ermittlung von Kosten im denkmalgeschützten Bestand seit sieben Jahren das Programm „Kostenkalkül“, ei­ne BIM-basierte grafische Mengen- und Kostenermittlung von Dr. Schiller & Partner GmbH. Damit ist er in der Lage, bereits in der Vorplanung nachprüfbare Kostenschät­zungen bzw. -berechnungen abgeben zu können. Was ihn besonders freut: selbst bei baufachtechnischen Zuwendungsprüfungen kann er damit sofort die entsprechenden Nachweise erbringen.

Auf große Resonanz stießen auch das Grundlagenseminar von Jakob Przybylo, BIM Fachverantwortlicher bei Obermeyer Planen+Beraten in München und das an der Pra­xis orientierte BIM Datenaustauschszenario zwischen Architekten und Haustechnikern, beispielhaft präsentiert von Holger Kreienbrink von Graphisoft und Ole Myrdal von DDS. Auch hier wurde klar: viele Wege führen zu BIM. Aber immer wieder geht es um vorde­finierte Strukturen und grundlegende, aber einfache Regeln. Und darum, dass diese im Vorfeld und im Idealfall von allen Beteiligten gemeinsam definiert werden sollten. Denn das Wissen um BIM und die Akzeptanz aller Beteiligten ist und bleibt der Schlüsselfak­tor. Dann, aber eben nur dann profitieren auch alle – von einem flüssigen, effizienten und transparenten Workflow und einer exzellenten Datenbasis.

An diesen Herausforderungen orientiert sich längst auch die universitäre Ausbildung. So gibt es für die Studierenden der Masterstudiengänge Architektur, Bauingenieur­wesen und Energieeffizientes Bauen an der TU München seit 2011 interdisziplinäre Kurse. Deren aktuelle Aktivitäten stellten Fabian Ritter und Alex Braun vom Lehrstuhl für Computergestützte Modellierung und Simulation der TU München vor.

IFC4 veröffentlicht und spätestens 2015 beim Anwender

Einen Ausblick in die nahe Zukunft der IFC Anwendungen gab es von Dr. Thomas Lie­bich, Geschäftsführer von AEC3. Aus seiner Sicht könnte der im März veröffentlichte, „stark verbesserte IFC4 Standard“, gleichzeitig ISO Norm 16739, dem Anwender ab spätestens 2015 viele neue Anwendungsmöglichkeiten bieten. Beispiele für die erwei­terte Funktionalität sind ...

  • komplexere Geometrien von Freiformflächen als Nurbs,
  • Optimierungen bei der Übergabe von thermischen Berechnungsmodellen und Nachhaltigkeitsberechnungen sowie
  • die bislang weniger bekannten 4D Möglichkeiten für die Bauablaufsimulation.

Für IFC5 gibt es bereits erste Ideen: im Vordergrund soll die Abbildung von Infrastruk­turbauten stehen.

Last but not least bietet der buildingSMART e.V. seinen Mitgliedern jede Menge Mög­lichkeiten, sich aktiv in aktuellen BIM Projektgruppen zu engagieren oder auch neue zu gründen. Zu den vorgestellten Initiativen gehören die BIM Ausbildung unter der Fe­derführung von Jakob Przybylo, der Standardisierung von BIM Objektmerkmalen, gelei­tet von Martin Hubert oder bei der IFC2x3 Zertifizierung, die Rasso Steinmann betreut.

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